Fühlst du dich ausgelaugt und ausgebrannt, es gibt aber keine körperliche Ursache dafür? Oder dir fehlt die Richtung im Leben – du weißt nicht so genau wohin? Du ziehst immer wieder die falschen Partner an oder vermisst die Lebendigkeit in deiner Beziehung? Die Ursache für all das kann ein energetisches Ungleichgewicht sein – das Zusammenspiel von femininer und maskuliner Energie. Für unsere persönliche Energie ist die Balance zwischen Yin und Yang maßgeblich für Wohlbefinden und Zufriedenheit. In Beziehungen sorgen die gegensätzlichen Pole für die nötige Anziehungskraft und Spannung.

Im Taoismus, jener philosophischen Tradition, aus der auch das Feng Shui entstanden ist, werden mit Yin und Yang zwei gegensätzliche Kräfte beschrieben, die zusammen ein Ganzes ergeben und im Gleichgewicht sein sollten. Als Mensch tragen wir diese beiden Energien in uns. Yin ist die feminine und Yang die maskuline Energie.  Wir alle haben also männliche und weibliche energetische Anteile in uns – ganz unabhängig von unserem biologischen Geschlecht. Diese Anteile sorgen dafür, dass wir gut und stabil durchs Leben gehen, denn wir brauchen aus beiden Anteilen Eigenschaften und Fähigkeiten, um unser Leben erfolgreich und zufrieden zu meistern.

Was sind Beispiele für Yin- (feminine) und Yang- (maskuline) Anteile?

FemininMaskulin
IntuitionEntschlossenheit
SensibilitätKlarheit
HingabeBeschützen
KreativitätZiele erreichen
OffenheitFokus
GefühleVerstand

Manche Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie diese Eigenschaften lesen und sehen wie diese als feminin oder maskulin bezeichnet werden. Dahinter steckt unsere gesellschaftliche Prägung, in der die femininen Eigenschaften erstens abgewertet und zweitens ausschließlich Frauen zugeschrieben wurden. An dieser Stelle ist es wichtig noch einmal zu betonen: Alle Qualitäten sind wichtig und gleichwertig. Und wir besitzen immer beide energetischen Anteile in uns – egal, welches biologische Geschlecht wir haben.

Es gibt allerdings eine Essenz in uns, die mehr zur einen oder anderen Seite tendiert. Diese innere Kraft treibt uns an, steckt hinter unserer Vision. Wenn wir wissen, ob wir in unserer Essenz eher feminine oder maskuline Energie haben, hilft uns das insbesondere in Liebesbeziehungen oder auch dabei, unser persönliches Wohlbefinden wiederherzustellen.

Wie findest du heraus, welche Essenz in dir steckt?

In den meisten Fällen entspricht die innere Essenz dem biologischen Geschlecht. Das muss aber nicht sein. Ein vereinfachter Weg herauszufinden, zu welcher energetische Pol – also mehr feminine oder maskuline Energie – in dir steckt, ist folgende Frage: Was treibt mich in meinem Innersten an? Was ist wichtig in meinem Leben

a) Sind es Gefühle und Verbundenheit?

oder

b) Zielgerichtetheit und eine Lebensaufgabe?

Bei Antwort a) ist deine Essenz feminin ausgerichtet (Yin), bei b) maskulin (Yang).

Polarität in Beziehungen

Anziehung in einer Beziehung entsteht durch Polarität, nämlich dann, wenn eine Person eine feminine Essenz in sich trägt und die andere Person eine männliche. Durch einen hektischen Alltag und Leistungsdruck im Beruf passiert es insbesondere Frauen mit einer femininen Essenz, dass sie sich ausgelaugt und leer fühlen. Das geschieht, weil sie entgegen ihrer Essenz überwiegend in der maskulinen Energie leben: Den ganzen Tag planen und organisieren sie, eifern Zielen nach und setzen ihren Verstand ein. In einem solchen Alltag kommt die feminine Energie zu kurz.

Es ist wichtig unsere Essenz zu kennen und zu pflegen, weil wir uns dann ausgeglichener und glücklicher fühlen. Wir beginnen zu strahlen und wirken attraktiv auf andere Menschen. In einer Beziehung aktivieren wir so die Polarität, die für Spannung und Anziehung sorgt. Wenn wir uns eine erfüllte Beziehung wünschen, ist diese Essenz also der Schlüssel dazu.

Beziehung feminine maskuline Energie yin und yang männliche weibliche Energie
©helovi/Gettyimages via canva.com

Wofür die Polarität sorgt und wie sie verloren geht

Polarität hält Beziehungen lebendig. Denn wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Essenzen aufeinandertreffen, ziehen sie sich gegenseitig magisch an. Dabei ist das biologische Geschlecht völlig irrelevant. Es ist wie bei einem Magneten: Die unterschiedlichen Pole – feminine und maskuline Energie – ziehen sich an, während die gleichen Pole sich abstoßen.

Was oft passiert: Zwei Menschen lernen sich kennen und finden sich sehr anziehend. Im Laufe der Beziehung geht aber die Anziehungskraft verloren. Das kann dann daran liegen, dass ein Partner versucht, den anderen zu verändern – oft sind es Frauen, die ihre Männer „zähmen“ und dann aus diesem Grund feststellen, dass sie sie nicht mehr attraktiv finden. Viele Menschen sind nicht in der Lage, die Andersartigkeit des anderen dauerhaft  zu akzeptieren und arbeiten unbewusst daran, dass ihr Partner oder ihre Partnerin ihnen immer gleicher wird. Und genau dann neutralisiert sich diese Elektrizität, die sie einst zusammengebracht hat.

Den Magnetismus

Um sich um den Magnetismus kümmern zu können, müssen wir wissen, was die beiden Energien ausmacht und antreibt.

Die feminine Energie strebt nach Einheit, Verständnis und Verbundenheit mit anderen Menschen und der Natur. Sie will fühlen und den Zusammenhalt mit anderen spüren, sie will gesehen werden und Wertschätzung für ihr Sein erfahren. Wenn wir unsere feminine Energie aktivieren, können wir umfassend wahrnehmen: Zum Beispiel spüren wir Dinge, bevor wir sie sehen können und erfassen die Stimmung in einem Raum, ohne ein Wort dort gehört zu haben. In dieser Energie haben wir Zugriff auf unsere Intuition und Kreativität.

Die maskuline Energie will etwas erreichen, beschützen, strebt Ziele an und will in der Welt etwas hinterlassen. Sie will für ihr Tun Wertschätzung erfahren. Diese Energie hat Spaß am Kräftemessen, daran Hindernisse zu überwinden und Dinge zu erledigen. Wenn wir unsere maskuline Energie aktivieren, können wir gut strukturieren, abarbeiten und schützen bzw. verteidigen uns und andere.

Im Taoismus wird das weibliche Prinzip als empfangende Kraft beschrieben, die von der Energiequalität her nach innen strebt. Das männliche Prinzip wird als gebende Kraft beschrieben, die von der Energiequalität her nach außen strebt.

Gesellschaftliche Prägung und das weibliche Prinzip

Keines der beiden Prinzipien ist besser oder schlechter als das andere – nur unsere gesellschaftliche Prägung hat das feminine Prinzip sehr stark in den Hintergrund treten lassen. Über Jahrhunderte hinweg wurde das männliche Prinzip in vielen Kulturen höher geschätzt als das weibliche. Auch wenn wir uns heute wieder mehr unserer Intuition zuwenden und Praktiken wie Yin-Yoga oder Meditation in Mode gekommen sind, streben viele Menschen (nicht zuletzt auch im westlichen Feminismus) nach männlichen Attributen. Es ist natürlich richtig und wichtig, dass Frauen den gleichen Zugang zum gesellschaftlichen Leben oder zu bestimmten Berufen und Karrierestufen haben wie Männer, aber im gleichen Atemzug werden nicht selten feminine Qualitäten abgewertet. Viele Frauen streben danach, in ihrer männlichen Essenz zu leben, ohne es zu merken, denn sie wollen sich mit den Männern messen.

Ganz davon abgesehen, dass ein Ungleichgewicht der beiden Kräfte jedem Menschen schadet – egal, welche Essenz er in sich trägt – das Leben in der anderen Essenz raubt uns unsere Energie: Wir verlieren unsere Strahlkraft und Vitalität, werden unglücklich und fühlen uns in unserer Haut unwohl. Es entsteht eine innere Leere, die sich nicht mit materiellen Dingen erklären lässt. In unserem Streben nach Gleichheit verstehen wir nicht, dass wir uns der Polarität in unserem Leben beraubt haben. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, wieder die Unterschiede zwischen den Menschen zu akzeptieren und zu schätzen.

Wie du deine weibliche Essenz zum Strahlen bringst

Entspannung: Sorge für Ruhe- und Regenerationsphasen (z.B. mit Meditation, Stille, ruhigeren Yogastilen oder einem Body Scan – die Anleitung zum Body Scan findest du unten) und ausreichend Schlaf

Aufenthalte am Wasser: das Element repräsentiert das weibliche Prinzip und hilft, die feminine Essenz wieder aufzuladen

Kreativität: erschaffe etwas, koche in Ruhe ein wunderbares Gericht oder tanze für dich ganz allein

Erden: die Verbindung mit der Natur nährt die weibliche Essenz

Seelenpause: sorge für Zeiten, in denen du nichts einplanst und dich einfach vom Moment und deiner Wahrnehmung treiben lässt

weibliche Energie Strahlen Übungen für mehr Weiblichkeit

Anleitung 3-Minuten Body Scan

Setze dich aufrecht hin, schließe deine Augen und stelle deine Füße auf dem Boden

Nimm deinen Körper nun ganz bewusst wahr. Beginne an den Füßen und gehe von dort aus ganz achtsam alle Körperpartien durch.

Stelle dir dabei die Fragen: Wo fühlt sich dein Körper offen und entspannt an? An welchen Stellen sind Verspannungen, Verkrampfungen, ein unangenehmes Gefühl?

Spüre einfach, was du wahrnimmst und beurteile nicht. Lass’ dir Zeit und versuche nichts zu verändern.

Wenn du am Kopf angekommen bist, bewege deine Finger und Zehen, drehe deine Schultern von links nach rechts und öffne dann ganz langsam deine Augen.

Buchtipps

Groover, Rachael Jayne: Powerful and feminine – Rachael Jayne beschreibt die weibliche Energie und wie man sie stärken kann – ein sehr praxisorientiertes Buch mit vielen Übungen. Bei ihr habe ich die Ausbildung zur Trainerin für Art of Feminine Presence® gemacht.

Deida, David: Intimate communion – der Klassiker über das Zusammenspiel von männlicher und weiblicher Energie in Beziehungen – keine leichte Kost, aber ein Muss für ein tieferes Verständnis.